Alltägliches

Schadet das Aufwärmen von Speisen in der Mikrowelle Ihrer Gesundheit?

Mikrowelle

Kaum ein Gerücht hält sich so hartnäckig wie jenes über die vermeintliche Gesundheitsgefahr von Mikrowellengeräten. Sie zerstören Vitamine und denaturieren Eiweiß, sagen die einen. Sie begünstigen Krebs und schädigen das Ungeborene, meinen die anderen. Was ist nun wirklich dran? Müssen Sie Ihr Essen nun wie früher brav rührend am Herd aufwärmen, damit ja nichts anbrennt? Oder sind zwei Minuten in der Mikrowelle doch vielmehr das Zeit-Geschenk im hektischen Essalltag?

Derzeit gilt als Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Sie bei der sachgemäßen Verwendung von Mikrowellengeräten keine Gesundheitsgefahren befürchten müssen. Denn Mikrowellen wirken ausschließlich wärmend. Wir sagen Ihnen, worauf Sie beim Gebrauch achten müssen.

So funktioniert die Mikrowelle

Ein Mikrowellengerät ist kein Mini-Atomkraftwerk – Mikrowellenstrahlung ist NICHT radioaktiv. Vielfach wird das im world wide web behauptet – sogar von tödlicher Strahlung ist dort zu lesen. Die mittels Magnetron erzeugte elektromagnetische Strahlung regt die Wassermoleküle in Lebensmitteln zur Bewegung an. Durch Bewegung entsteht Reibung, die erzeugt bekanntlich Wärme, was zum Erwärmen des Gerichts führt.

Was macht die Mikrowelle mit Ihrer Nahrung?

Wenn Sie zwei erwärmte Speisen vor sich stehen haben, werden Sie mit keiner physikalischen oder chemischen Untersuchungsmethode feststellen können, welche davon in der Mikrowelle und welche am Herd zubereitet wurde.

Der einzige Unterschied liegt darin, wie die Wärme im Inneren verteilt ist: Wird nicht umgerührt, ist die Speise vom Herd außen heißer als innen, während beim Mikrowellenofen die Wärmeverteilung im Gargut oft umgekehrt aber bei weitem gleichmäßiger ist.

Bei gefrorenen Lebensmitteln verteilt sich die Wärme nicht optimal, denn Eis wird nicht so gut erwärmt wie Wasser. Sie kennen das vielleicht aus eigener Erfahrung: Wenn Sie den Cremespinat nicht zwischendurch umrühren, sind manche Stellen im Spinat heiß, andere nur lauwarm. Das ist auch der Grund, warum die meisten Mikrowellengeräte über einen Drehteller verfügen. So verteilt sich die Mikrowellenstrahlung besser im Gargut.

MikrowelleKeine Angst vor austretender Strahlung!

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie sich vor einer möglichen Strahlung fürchten müssen, die aus dem Mikrowellengerät austritt? Fakt ist: Würden Mikrowellen direkt den Menschen oder Tiere treffen, wäre das sicherlich gefährlich, denn die Mikrowellenstrahlung unterscheidet natürlich nicht zwischen Hühnerfleisch und Menschenfleisch. Das ist auch der Grund, warum der Betrieb der Geräte nur mit verschlossener Türe möglich ist. Und ja, deshalb steht vielleicht in der Gebrauchsanweisung amerikanischer Geräte, dass Sie Ihre Katze nicht in der Mikrowelle trocknen sollten 🙂

Damit auch wirklich nichts passiert, ist der Garraum von Mikrowellengeräten gut abgeschirmt. Bei einem intakten Gerät dringt kaum Strahlung nach außen. Eine minimale Strahlung im Bereich der Sichtblende und der Türen ist aber kaum vermeidbar.

Studien zur Sicherheit von Mikrowellenstrahlen

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat umfangreiche Messungen [1] an Hunderten Mikrowellengeräten durchgeführt. Erfreulicherweise liegen die Strahlungen der Geräte im Durchschnitt nur bei 1 % des gesetzlich festgelegten Grenzwertes von 5 Milliwatt pro Quadratzentimeter (gemessen in einem Abstand von 5 cm vom Gerät). Kein Gerät – weder gebrauchte noch neue – überschritt den gesetzlichen Grenzwert. Je weiter Sie sich übrigens vom Gerät entfernen, desto geringer ist die Mikrowellenstrahlung.

Die Strahlenschutzexperten des BfS kommt zu dem Schluss, dass die Sorgen um Gesundheitsgefahren bei intakten Geräten somit unbegründet sind. Das gilt sogar für Schwangere und Kleinkinder. Trotzdem empfiehlt das BfS, sich während des Gebrauchs nicht unmittelbar vor oder neben das Gerät zu stellen. Besonders Kinder sollten nicht mit der Nase an der Scheibe kleben und dem Drehteller beim Kreisen zuschauen.


Wovon wir Ihnen gänzlich abraten: Falls Ihr Mikrowellengerät beschädigt ist, bitte nicht in Eigenregie reparieren!


Rattenscharfe Überzeugungsarbeit

Was aber ist nun mit dem erwärmten Essen? Verändern sich Nährstoffe durch die elektromagnetische Strahlung in bedenklicher Weise? Speziell eine umfassende Untersuchung an Ratten überzeugte die wissenschaftliche Community bereits 1995: Die Nager wurden 13 Wochen lang mit entweder mehrfach in der Mikrowelle aufgewärmter oder auf konventionelle Weise zubereiteter Nahrung gefüttert. Am Ende wurden die Ratten auf „Herz und Nieren“ untersucht. Es zeigten sich keinerlei Nebenwirkungen auf die Gesundheit durch die Mikrowelle.

Größter Mythos: Mikrowelle tötet alle Vitamine

Ganz im Gegenteil! Untersuchungen zeigen, dass die Vitaminverluste in der Mikrowelle vor allem beim Aufwärmen sogar geringer sind als auf dem Herd. Die Zeit kann kürzer gehalten werden und das schont empfindliche Nährstoffe.

Anders beim Garen: Das schonende Dünsten im Kochtopf entspricht in etwa dem Garen in der Mikrowelle mit wenig Wasserzugabe. Eine Studie [2] aus dem Jahr 2002, die beweisen wollte, dass wertvolle Inhaltsstoffe des Brokkoli durch die Mikrowelle eher zerstört werden als durch andere Garverfahren, wurde in aktuelleren Studien [3] widerlegt.

MikrowelleBabynahrung aus der Mikrowelle?

Der immer wieder gehörte Verdacht, Eiweiß würde gesundheitsgefährdend verändert werden, konnte ebenfalls widerlegt werden. Die Zusammensetzung des Essens wird nicht verändert.

Warum Sie abgepumpte Muttermilch nicht in der Mikrowelle wärmen sollten, hat einen ganz anderen Grund: Würden Sie die Milch zu lange erhitzen, gingen wertvolle Immunschutzstoffe verloren. Das aber rein aufgrund Hitze – es könnte Ihnen am Herd genauso passieren.

Wann der Gebrauch der Mikrowelle tatsächlich gesundheitsschädlich ist

Die beiden größten Gefahren in der Handhabung:

  1. Da die Mikrowelle nicht gleichmäßig erwärmt, kann es passieren, dass punktuell bestimmte Krankheitserreger nicht abgetötet werden. Sie wollen z. B. ein Gericht mit Hühnerfleisch nicht nur aufwärmen, sondern garen. Achten Sie in diesem Fall penibel darauf, dass wirklich alle Fleischteile (besonders die dickeren) gut durchgegart sind. Ansonsten bleibt das Risiko, dass womöglich ein paar Salmonellen oder Listerien überleben und Ihnen die Tage danach ordentlich vermiesen.
  2. Sie wollen Babynahrung oder -milch erwärmen? Auch kein Problem in der Mikrowelle. Allerdings sollten Sie dann gründlich umrühren bzw. schütteln und zudem die Temperatur prüfen. Am besten funktioniert das an der empfindlichen Haut an der Innenseite Ihres Handgelenks. Gerade in hohen, schmalen Gefäßen wie Babyfläschchen oder -gläschen können sich sogenannte brennheiße „hot spots“ bilden.

Welches Geschirr nehme ich am besten für die Mikrowelle?

Einfach gesagt:

  • sehr gut geeignet -> Porzellan, hitzebeständiges Haushaltsglas
  • nicht geeignet -> Metallgefäße (Edelstahltöpfe, Alu-Behälter), Teller mit Silber- oder Goldrand, Tongeschirr (z. B. der Römertopf)
  • nicht immer die beste Wahl -> Kunststoffgefäße

Mikrowellengeschirr besteht im Idealfall aus einem Material, durch das elektromagnetische Wellen dringen können, ohne dass es dabei beschädigt wird. Dazu gehören Behälter aus Porzellan (ohne Metallapplikationen), Glas (feuerfest), Steingut und Keramik (glasiert) oder (nicht jeder) Kunststoff.

MikrowellengeschirrManche Kunststoffe sind jämmerliche Verlierer

Aber nicht immer vertragen sich Kunststoff und Hitze. Gekennzeichnet ist Mikrowellengeschirr mit dem Hinweis „hitzebeständig“. Diese Eigenschaft zeigten aber nicht alle der vom Österreichischen Verein für Konsumenteninformation getesteten Mikrowellen-Gefäße [4]. Beim Erwärmen von Zucker oder Fett bei höchster Stufe, löste sich der Kunststoff der meisten Behälter auf und es entstanden große Löcher in den Böden.

Bei niedrigeren Temperaturen wurde von den Testern teilweise ein Plastikgeschmack in den Speisen festgestellt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Substanzen aus dem Kunststoff an das Lebensmittel abgegeben wurden.

Porzellan oder Glas gehen mit Sicherheit keine Wechselwirkungen mit dem Füllgut ein und sind daher für das Erhitzen in der Mikrowelle die erste Wahl. Zum Einfrieren oder als Vorratsdosen im Kühlschrank bzw. zum Erwärmen von Speisen mit der schnellen Welle können Sie Behälter aus Kunststoff sehr wohl verwenden. Dafür müssen Sie sich aber nicht extra das meist teure Mikrowellengeschirr anschaffen.

Tipps für den sicheren Gebrauch der Mikrowelle

Falls Sie nun erleichtert am Watt-Regler Ihrer Mikrowelle drehen, lesen Sie hier noch unsere Tipps für den garantiert sicheren Gebrauch der schnellen Welle:

  • Decken Sie das Gargut immer ab, damit es nicht austrocknet.
  • Je wasserhältiger die Speise ist, desto besser lässt sie sich per Mikrowelle erwärmen.
  • Fettes und Trockenes wird langsamer warm.
  • Versuchen Sie niemals, ganze Eier in der Mikrowelle zu garen – außer Sie wollen Ihr Gerät danach drei Stunden lang putzen.

Unser essenzielles Resümee

Die Mikrowelle ist und bleibt ein verlässlicher Partner in der Küche.

Wir finden es interessant, dass so viele Menschen Angst vor der Mikrowelle haben, in der sie meist nur ein Gericht 1-2 Minuten aufwärmen. Gleichzeitig stellt sich heute fast jeder bedenkenlos stundenlang mit dem Mobiltelefon am Ohr an einen Induktionsherd.

Vergessen Sie die angsteinflößenden Beiträge aus dem Netz. In der Mikrowelle gegarte oder aufgewärmte Speisen können keine krebserregenden Reaktionen im Blut auslösen. Die Nährstoffe in Lebensmitteln verhalten sich in der Mikrowelle nicht anders als bei jeder anderen Zubereitungsart.

Mikrowellen erzeugen ausschließlich Wärme und es entstehen auch keine unerwünschten Stoffe. Die Temperaturen sind bei richtiger Anwendung nicht höher als bei herkömmlichen Garverfahren. In der Mikrowelle gegarte oder aufgewärmte Speisen geben keine Strahlung ab.

Nützen Sie die Mikrowelle vor allem zum Aufwärmen von Speisen. Es bleiben hier wirklich Nährstoffe und Geschmack am besten erhalten. Beim Garen selbst sind jedoch meist andere Zubereitungsarten der Mikrowelle überlegen.

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