Der große Krapfen-Check – Wie viel Kalorien hat Ihr Lieblingskrapfen?

Von essenzielles
Krapfen

11.11., 11 Uhr 11 – der Beginn des Faschings: Damit starten wir in die Krapfenzeit. Zugegeben, auch wir können ab und zu den flaumigen Germteigpölsterchen nicht widerstehen.

Nachdem im Netz zahlreiche Rezepte für Krapfen aus dem Backrohr kursieren, wollten wir den Test in zweierlei Hinsicht machen. Schmecken die Marillen-Krapfen aus dem Ofen so gut wie jene aus dem Fettbad? Und sind sie wirklich um so viel kalorienärmer, wie wir dachten?

Wir haben uns für diese Mission die Zutaten und Nährwerte von Marmelade-Krapfen großer Bäcker und Supermärkte näher angeschaut und mit „unseren“ Ofen-Krapfen verglichen. Das Ergebnis hat uns erstaunt…


Damit Sie am neuesten Stand sind: Die aktuellen Krapfen-Nährwerte haben wir im November 2020 erneut recherchiert.


Krapfen im Geschmackstest

Krapfentests gab‘s in den letzten Jahren schon ein paar. Katharina Seiser hat in ihrem Foodblog [1]  genauso wie der Falstaff [2] schon kritische Gaumen mit Krapfen konfrontiert – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Es zeigt sich: Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Wollen wir auch nicht.

Wir schauen den herrlichen „Berlinern“ – wie unsere deutschen Nachbarn sagen – unter die Zuckerhaube und vergleichen die Zutaten samt den Nährwerten. Unsere Tabelle zeigt die Angaben und Werte, die wir auf den Webseiten des jeweiligen Anbieters bzw. den Verpackungen finden konnten. Aktualisiert im November 2020

Krapfen unter der essenziellen Lupe

Eines fällt auf: Der Grundteig unterscheidet sich von Krapfen zu Krapfen nur unwesentlich. Massive Unterschiede gibt es bei der Größe. Ein 100 g-Krapfen kann sich schon stärker auf die Hüften schlagen als ein 60 g Krapfen.

Den übersüßen Jourkrapfen der Bäckerei Mann, welcher 2018 besonders für Kinder empfohlen wurde, gibt es nicht mehr. Außerdem verzichten schon die meisten Hersteller auf den Einsatz von Palmfett. Gut so!

Zusatzstoffe richtig deuten

Mehl, Germ (Hefe), Zucker, Milch, Butter, Eier, Marmelade. Das sind Zutaten, die Sie in einem Krapfen vermuten würden. Die Zutatenlisten auf verpackten Krapfen lesen sich da teils wie ein Chemiebuch.

Krapfen

  • Aroma
  • Emulgatoren
  • Konservierungsstoffe
  • Säuerungsmittel
  • modifizierte Stärke
  • Glucose-Fructose-Sirup

haben die meisten zusätzlich im „Gebäck“.

Wer einen flaumigen Krapfen, verpackt in Kunststoff-Folie aus dem Supermarktregal erwartet, muss ein paar Extra-Zusatzstoffe in Kauf nehmen. Wie sonst soll der Krapfen bei all der Logistik bis zum Kaffeekränzchen seinen „frischen“ Charakter bewahren? So sorgen Emulgatoren (sogenannte „Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren“) durch eine Reaktion mit Stärke dafür, dass diese das Wasser länger binden kann. Die Krapfen bleiben länger frisch und trocknen nicht so schnell aus.

Aromazusatz statt Rum und Zitronenschale

Fairerweise müssen wir zugeben, dass wir keine Großbäcker sind. Allerdings fragen wir uns vor allem bei Bäckern, die ihre Krapfen täglich frisch verkaufen: Sind all die Zusätze wirklich nötig?

Sowohl in der Fruchtfülle wie auch im Teig greifen fast alle Hersteller in den Aromatopf. Warum das? Wir vermuten in der Fruchtfülle soll der typische Rumgeschmack imitiert und im Teig die fehlende Zitronenschale ersetzt werden. Fraglich ist, ob das ein guter Krapfen wirklich braucht.

Der Konservierungsstoff Kaliumsorbat kommt bei fast allen Marmeladefüllungen zum Einsatz. Dieser gilt als gesundheitlich unbedenklich und wird vom Körper vollständig abgebaut.

essenziell_Krapfencheck

Daten recherchiert im November 2020

Erstaunlich! Krapfen aus dem Backrohr haben pro 100 g kaum weniger Kalorien

essenzielles_KrapfencheckSofern man allen Nährwertangaben der Krapfenhersteller Glauben schenken kann, dürfte die im Krapfen zurückbleibende Fettmenge vom Frittieren nicht mehr als ein Kaffeelöfferl betragen. Anders können wir uns den Unterschied zu unserem fettfrei gebackenen Ofen-Krapfen nicht erklären.

Hier beschränkt sich die Fettzugabe auf ein wenig Butter im Teig. Wahrscheinlich punkten die Fritteusen der Großbäcker durch exakte Temperaturführung, so dass so wenig Fett wie nur möglich am Krapfen verbleibt. Das freut sowohl unsere als auch Ihre Figur!

Geschmacklich war unser Krapfen aus dem Backofen am selben Tag wirklich ein Genuss. Die Konsistenz etwas anders. Leider waren sie so gut, dass man gleich zwei davon zum Nachmittagskaffee verputzen musste – sie waren aber wesentlich kleiner als die vom Bäcker 😉

Die Krapfengröße und damit die Kalorien pro Stück hat man beim Selberbacken selbst in der Hand. Das spricht natürlich für‘s Selberbacken.

Unsere 5 Tipps für gesundheitsbewussten Krapfengenuss

  • Ja, ein Krapfen ist beileibe kein Diätessen. Lassen Sie sich im Fasching trotzdem ab und zu von seiner flaumigen Konsistenz verführen. Greifen Sie laut unserer Tabelle zu einem der kleineren Exemplare von 60-75 g/Stück.
  • Wenn Sie Krapfen für die Familie inklusive Kindern kaufen, wählen Sie solche ohne Alkohol-Zutat (siehe Tabelle).
  • Genießen Sie 1 (!) Krapfen nach einer winterlichen Suppe statt Hauptspeise/Dessert. Oder Sie verspeisen ihn genüsslich zum Nachmittagskaffee und bleiben beim Mittagessen beim großen Salatteller.
  • Grundsätzlich ist ein Krapfen kein optimales Frühstück. Wenn Sie aber am 11.11. oder am Faschingsdienstag frühmorgens dem verführerischen Duft nicht widerstehen können: Ein Marmelade-Krapfen belastet Ihr Kalorienkonto weniger als ein Schokocroissant.
  • Auch wenn es hochwertig klingt – die Verwendung von Dinkelmehl macht aus dem Krapfen keine gesündere Mehlspeise. Vegane Krapfen schneiden nicht wirklich besser ab als ihre klassischen Brüder – und belohnen den Gaumen nicht immer. Nachzulesen in unserem Special Fragwürdiger Genuss – vegane Krapfen im essenziellen Check

Unser essenzielles Resümee

Natürlich ist ein Krapfen kein Diätessen. 4-6 Vanillekipferl spielen aber bereits in einer ähnlichen Kalorien-Liga. Nachdem ein Backofen-Krapfen kalorientechnisch pro 100 g kaum Vorteile bringt, haben wir für uns entschieden, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Als willkommene Auszeit im Bürostress darf ein Marmelade-Krapfen mit gutem Gewissen weiterhin ab und zu auf unseren Teller.

essenzielles_Krapfencheck

essenzielle Krapfen aus dem Backrohr

  • 330 g griffiges Mehl
  • 50 g Zucker
  • 4 g (1/2 P.) Trockenhefe
  • 150 ml lauwarme Milch
  • 35 g flüssige Butter
  • 2 Eigelb
  • etwas abgeriebene Zitronenschale oder etwas Vanille
  • Marillenmarmelade
  • flüssige Butter zum Bepinseln

Alle Zutaten außer der Butter vermischen und ca. 5 Minuten in einer Küchenmaschine kneten. Erst dann die Butter dazugeben und weitere 3 Minuten kneten bis ein glatter Teig entstanden ist, der sich sehr gut von der Schüssel löst.90 Minuten abgedeckt gehen lassen.Aus dem Teig 8-11 Krapfen formen, rundwirken. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, mit einem Geschirrtuch bedecken und weitere 40 Minuten gehen lassen.  (Wir haben 10 Stück daraus gebacken – das ist auch die Basis für unsere Nährwertberechnung pro Stück)Im vorgeheizten Backofen bei 200° C bei Ober-/Unterhitze 12–15 Minuten backen, bis die Krapfen goldbraun sind. Kurz abkühlen lassen und mit einer Dessert-Spritze mit der Marmelade füllen. Abschließend mit etwas flüssiger Butter bepinseln und mit Zucker bestreuen.Das Rezept zum Download finden Sie hier.

Gefällt Ihnen unser Krapfen-Check? Dann teilen Sie ihn gerne mit anderen Krapfenliebhabern! 

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3 Kommentare

Jb 16. November 2017 - 16:33

Endlich mal Licht im krapfenwaldl! Sehr informativ und der nächste biss in EINEN Krapfen wird gewissenberuhigt münden! Danke

Antworten
essenzielles 17. November 2017 - 11:02

Vielen Dank für das Lob! Wir hoffen, dass andere das genauso sehen 🙂

Antworten
G 20. Februar 2020 - 12:13

Vielen Dank, dass sie das Schweigen durchbrochen haben. Ein Tabu Thema für alle Bäckereien und Supermärkte wie Discounter, sowie Tageszeitungen und sonstige, die auch keine Spaßverderber sein wollen.
Steht man an der Bäckerei Theke hat man es mit dem großen Schweigen zu tun. Jedes ehrliche Wort wäre ein Killer.

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