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Achtung: Plastik im Essen könnte Ihre Gesundheit gefährden!

Plastik_Flaschen

Geht es Ihnen auch so? Man kommt vom Wochenend-Einkauf nach Hause und wenn alle Lebensmittel ausgepackt und verstaut sind, quillt der Mistkübel mit Verpackungsmaterial aus Plastik fast über. Dass dieses Konsumverhalten sich auf unseren Planeten auswirkt, liegt auf der Hand. Doch nun warnen Ökotoxikologen, dass die Chemikalien in den Kunststoffen zudem direkte Gesundheitsschäden bei uns Menschen verursachen. Wir haben dieses brisante Thema unter die essenzielle Lupe genommen und geben hilfreiche Tipps für „weniger Plastik“.

Welcome on Plastic Planet

Wir leben in einer Welt voller Plastik (=Kunststoff). Von der Zahnbürste und zahlreichen Beautyprodukten über das Handy, Kinderspielzeug und die Funktionssportwäsche bis zur Lebensmittelverpackung umgibt uns dieses langlebige Material ständig und überall.

Da wir Kinder der 1960er Jahre sind, erinnern wir uns noch an die Einkäufe an der Hand der Mutter, die im Lebensmittelladen von einer für Gemüse und Obst zuständigen und stets freundlichen Mitarbeiterin Karotten, Äpfel & Co. im ungebleichten, braunen Papiersackerl überreicht bekam.

Wenn es um die Verpackung von Lebensmitteln geht, spielen heute Glas, Metall und Papier leider nur mehr eine untergeordnete Rolle. Kunststoffe sind vielseitig verwendbar, erhöhen die Haltbarkeit von Lebensmitteln und verringern aufgrund ihres geringen Eigengewichts die Transportkosten [1].

Plastik hat unser modernes Leben derart durchdrungen, dass wir es kaum mehr bewusst wahrnehmen. Das hat Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt.

Zusatzstoffe in Plastik können ins Lebensmittel übergehen

Kunststoffen wird bei ihrer Herstellung einiges an Chemie beigemengt. Farb- und Konservierungsmittel sowie Weichmacher sollen die Materialeigenschaften verbessern. Diese Additive sind nicht fest im Plastik gebunden, sondern können ins Lebensmittel eindringen. Im Fachjargon spricht man hier von Migration (=Einwanderung).

Dieser Prozess wird durch Hitze verstärkt. Wenn Sie schon einmal eine Kunststoff-Flasche mit Wasser im Sommer im Auto liegen gelassen haben, dann ist Ihnen bestimmt beim Trinken ein Plastikgeschmack aufgefallen.

Lebensmittel sollten daher auch nicht in der Kunststoff-Verpackung oder Schale erhitzt werden. Apropos heiß: Selbst wenn die Coffee-to-go-Becher mittlerweile aus Papier sind, Keramik- oder Edelstahl-Behälter sind die bessere Wahl. Denn die Papierbecher sind innen mit einer wasserabweisenden Schicht versehen, aus der Chemikalien in den Kaffee einwandern können.

Auch die Zusammensetzung des verpackten Lebensmittels hat einen Einfluss darauf, wie viel von den Zusatzstoffen ins Lebensmittel übergeht – saure und fetthaltige Lebensmittel (z. B. Fertiggerichte, Salatmarinaden, etc.) verstärken die Migration.

Plastik_Fertiggericht

Und schließlich migrieren aus verschiedenen Kunststoffen unterschiedlich viele Chemikalien. PVC, Polystyren/Polystyrol (Styropor) und schwarze Kunststoffe setzen besonders viele Substanzen frei und sollten besser nicht mit Lebensmitteln in Verbindung gebracht werden.

Polyethylenterephthalat (PET oder PETE), Polyethylen High-Density (PE-HD) und oder Polypropylen (PP) – daraus sind übrigens die meisten Plastik-Vorratsdosen – enthalten weniger problematische Zusätze und dürften laut Greenpeace weniger schädlich für die Umwelt sein. Zudem bieten sie Vorteile bei der Entsorgung, einschließlich des Recyclings [2]. Dennoch können auch aus ihnen hormonell wirksame Stoffe ins Lebensmittel übergehen.

Spezialfall Melaminharze – nicht zum Erhitzen geeignet

Das bunte, leichte und bruchsichere Melamin-Geschirr ist überaus praktisch – für Kinder, für unterwegs oder beim Campen. Aus Tellern, Bechern, Schüsseln oder Besteck aus diesem Kunststoff können bei Temperaturen über 70 Grad Celsius jedoch Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden, warnt das Bundesinstitut für Risikoforschung [3].

Wir empfehlen daher, Kochlöffel aus diesem Material (oft handelt es sich um Kochlöffel in Pastellfarben oder in schwarz) nicht zum Marmelade-Einkochen, zum Wenden von Fleisch oder Fisch oder zum Umrühren von Risotto zu verwenden. Bitte erhitzen Sie Speisen auch nicht auf/in solchen bunten Tellern oder Schüsseln in der Mikrowelle.

Werden heiße Getränken und Speisen in Becher, Schüsseln oder Teller eingefüllt oder das Besteck für den Salat verwendet, sind diese Produkte jedoch unbedenklich.

Im Zuge des Verfassens dieses Artikels haben wir selbst jetzt gleich einmal tabula rasa gemacht und unseren Hausrat von überflüssigen Plastikutensilien gesäubert ;-).


Das Recycling-Dreieck gibt Aufschluss

Auf Verpackungen muss gemeinsam mit dem Recycling-Dreieck eine Nummer angeführt sein, die den Kunststoff bezeichnet. Polyvinylchlorid (PVC) hat die Nummer 3, Polystyrol (PS) die Nummer 6 und „Andere Kunststoffe“ – gekennzeichnet mit dem Buchstaben O wie „others“ (z. B. Polyacryl – PA, Polycarbonat – PC) tragen die Nummer 7. Bei vielen Verpackungen ist dieses Dreieck im Boden eingeprägt und  wird nicht aufgedruckt.


Phthalate und Bisphenol A wirken im Körper hormonähnlich

Das Wissen um die gesundheitlichen Folgen des jahrzehntelangen Plastikkontakts ist immer noch lückenhaft. Selbst die große europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) konnte noch keine Risikobewertung für den Menschen erstellen. Eine solche soll jedoch bis Ende 2018 veröffentlicht werden.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Weichmacher im Plastik (z. B. Phthalate) und der Plastik-Bestandteil Bisphenol A im Körper das Hormonsystem stören. Sie stehen in Verdacht Unfruchtbarkeit, bestimmte Krebsarten, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen.

Bisphenol A wurde mittlerweile weitgehend aus Verpackungen und Artikeln für Babys (Schnuller, Fläschchen) verbannt. Allerdings ist es auch Bestandteil von Thermopapier, das z. B. bei Kassazetteln zum Einsatz kommt.

500 Jahre Lebensdauer

Ein großer Vorteil von Kunststoffen ist ihre Langlebigkeit. Allerdings ist dies zugleich auch ihr größter Nachteil. Berechnungen gehen davon aus, dass es bis zu 500 Jahre dauert bis z. B. eine Plastikflasche abgebaut ist.

Diese Lebenserwartung  ist insofern erschreckend als Schätzungen davon ausgehen, dass jährlich 675 Tonnen Plastikmüll allein in den Ozeanen landen.

Dort sammelt er sich zu großen Inseln, die laut EFSA teilweise Ausmaße in der Größe Frankreichs erreichen. Der Müll wird zur tödlichen Gefahr für Meeresbewohner, weil sie z. B. Mikroplastik mit Plankton verwechseln, von Kunststoffnetzen stranguliert werden oder weil Zusatzstoffe, die sich aus dem Plastik lösen, giftig für sie sind.

Mehr Zahlen, Fakten und erschreckende Erkenntnisse hat RESET, eine gemeinnützige Stiftung für eine nachhaltige Entwicklung, in einem wirklich guten online-Beitrag mit dem Titel „Plastikinseln im Meer“ gesammelt [4].

Plastik im Meer = Plastik im Essen = Plastik im Körper

Der im Meer schwimmende Müll ist ein Problem, das noch viele Generationen nach uns beschäftigen wird. Denn Plastik verschwindet nicht, es baut sich auch nicht ab, verrottet nicht, sondern wird nur durch mechanische Einflüsse in kleinste Teile zerlegt. Dann spricht man von Mikroplastik. Das sind Plastik-Teilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind. Darüber hinaus wird Mikroplastik für die Verwendung u. a. in Kosmetika wie Zahnpasta, Duschgels oder Peelings extra hergestellt [5].

Mikroplastik aus Kosmetikartikeln gelangt über Abwasser und über Kläranlagen in Gewässer und landet schließlich ebenfalls im Meer.

Mikroplastik zieht weitere Giftstoffe an

Laut Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg soll Mikroplastik nicht nur per se schädlich sein, sondern noch zusätzlich Giftstoffe binden. Die kleinen Plastikteile dürften dabei wie Magneten wirken, die Giftstoffe aus dem Wasser anziehen.

Diese verseuchten Mikroteilchen treiben in den Weltmeeren umher und werden von Fischen, Krebsen und Muscheln und damit – nachdem diese nicht am Ende der Nahrungskette stehen – schließlich von uns Menschen gegessen. So gelangt das Plastik über einen Kreislauf vom Menschen über die Umwelt zurück zum Menschen.

Um Plastikmüll zu reduzieren will die EU-Kommission gesetzlich vorgehen und bestimmte Einweg-Plastikprodukte (z. B. Strohhalme, Einweggeschirr) künftig verbieten. Erfreulicherweise beginnen nun sogar heimische Supermärkte wie jene des Rewe-Konzerns oder Lidl, Einwegprodukte aus Plastik auszulisten. Ein guter Anfang, wie wir meinen.

6 von 11 Meersalzproben enthalten Mikroplastik

Wissenschafter am Institut für Biologie und Chemie des Meeres an der Universität Oldenburg haben Meersalze untersucht und konnten darin Mikroplastik nachweisen [6]. Vor allem betroffen ist das teure Fleur de Sel.

Der Grund dafür dürfte in der Gewinnung liegen: Es entsteht als hauchdünne Salzschicht an der Wasseroberfläche und wird in der Regel in Handarbeit mit einer Holzschaufel abgeschöpft. Genau dort treiben auch die ultraleichten Mikroplastikteilchen herum.

Die in der Stichprobe gefundenen Mengen an Mikroplastik gelten zwar für Menschen als unbedenklich. Dennoch sind – wie wir wissen – die langfristigen Folgen durch das Auslaugen von Zusatzstoffen noch nicht abschätzbar.

Steinsalz ist reinstes, kostbarstes Meersalz

Eine ähnliche Untersuchung führte auch der Verein für Konsumenteninformation in diesem Jahr durch [7]. Mehr als die Hälfte dieser Meersalzproben enthielt Plastikteilchen, Steinsalz hingegen nicht.

Wir empfehlen Ihnen daher, bei der Salzwahl patriotisch zu sein und so oft wie möglich zu heimischem Steinsalz  zu greifen. Dabei handelt es sich ja ebenso um Meersalz, wenn Sie sich seine Entstehungsgeschichte vergegenwärtigen: Es entstand vor Millionen von Jahren durch die Sedimentation aus Meerwasser.

Damals gab es noch kein Plastik und auch keine sonstige Umweltverschmutzung. Somit könnte man behaupten, Stein-Salz sei das reinste Lebensmittel, das es gibt 😉 Darüber hinaus ist es um vieles billiger als Meersalz.

Plastik_Salz10 essenzielle Tipps, wie Sie sich vor schädlichem Plastik schützen

Bis zur Veröffentlichung der Gesundheitsbewertung durch die EFSA dauert es noch. Wir empfehlen jedoch schon jetzt, Ihren Plastikkonsum nach dem Motto „reduce – reuse – recycle“ im Auge zu behalten. Je weniger Kunststoff Sie verwenden, desto geringer ist auch Ihre Aufnahme von potenziell gesundheitsschädlichen Chemikalien. Ihre Gesundheit und die unseres Planeten danken es Ihnen.

  1. Mehrweg statt Einweg – verzichten Sie wann immer es geht auf Kunststoffe, die nur einmal verwendet werden (Plastiksackerl, Einweggeschirr, etc.). Verwenden Sie Papiersackerl mehrfach. Kaufen Sie Mineralwasser in Pfand-Glas- anstelle Plastikflaschen. Überlegen Sie, ob Sie Frischhaltefolien, die Sie einmal zum Abdecken eines Tellers verwendet haben ein zweites oder drittes Mal verwenden können. Unser Tipp: Einweg-Duschhauben, wie sie in Hotels zur Verfügung stehen, können mehrfach als praktische Tellerabdeckung dienen 😉
  2. Trinken Sie Leitungswasser. In den allermeisten Regionen Österreichs kommt bestes Trinkwasser aus der Leitung – ganz ohne bedenkliche Phthalate oder Bisphenol A. Wer es gern sprudelnd hat, kauft sich einmal einen Sodabereiter und spart sich zudem schweres Flaschenschleppen.
  3. Kaufen Sie Käse nicht fertig abgepackt in Scheiben, sondern als Block. Mit einem Käsemesser oder Sparschäler lassen sich wunderbar dünne Scheiben abschneiden. Außerdem trocknet der Käse nicht so rasch aus.
  4. Erhitzen Sie Speisen bzw. Fertiggerichte in der Mikrowelle nicht in der Plastikschale oder der Kunststoffvorratsdose, sondern füllen Sie sie in Glas oder Porzellan um. Lesen Sie dazu unseren Blogartikel „Schadet das Aufwärmen von Speisen in der Mikrowelle Ihrer Gesundheit?“ [8]
  5. Verwenden Sie herkömmliches österreichisches (jodiertes) Speisesalz anstelle von Meersalz (insbesondere Fleur de Sel).
  6. Baumwolle statt Plastik – lehnen Sie Plastiksackerl beim Einkaufen kategorisch ab und verwenden Sie stattdessen ein Stofftasche, einen Einkaufskorb oder einen Rucksack.
  7. Unverpackt statt verpackt – bevorzugen Sie unverpackte, frische Lebensmittel gegenüber verpackten verarbeiteten. Legen Sie Gurken, Avocados, Spitzpaprika, Äpfel und Bananen lose in den Einkaufswagen und auf‘s Kassaband. Lassen Sie sich Schinken und Wurst frisch aufschneiden – wenn möglich in die selbst mitgebrachte Vorratsdose.
  8. Müll richtig trennen und ordnungsgemäß entsorgen – erkundigen Sie sich, welche Vorgaben es dafür in Ihrer Region gibt. Leider gibt es da keine allgemeingültigen Regeln.
  9. Mithelfen statt wegschauen – immer wieder werden von verschiedenen Organisationen Müllsammelaktionen gestartet. Machen Sie nächstes Mal doch mit, wenn ein solcher Event in Ihrer Nähe stattfindet.
  10. Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit Kassenbons die Hände.

Unser essenzielles Resümee

Jeder kann etwas gegen die sprichwörtliche Plastikflut tun. Wer bewusst plastikarm einkauft, Einweg-Verpackungen reduziert, Mehrwegverpackungen so oft wie möglich wiederverwendet und seinen Müll ordnungsgemäß entsorgt, leistet einen wesentlichen Beitrag gegen die Verschmutzung der Umwelt und tut darüber hinaus seiner eigenen Gesundheit Gutes.

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