Prävention

So vermeiden und bekämpfen Sie Reisedurchfall

Reisedurchfall

Die Ferienzeit naht und viele packen bereits im Geiste ihre Koffer. Die Verfasserin dieses Blog-Beitrags verreist gerne, oft (lang), immer individuell und wenn möglich „off the beaten tracks“. Überwiegend waren es bisher Länder, in denen Kühlschränke nicht zum Standard eines jeden Haushalts gehören, Trinkwasser nicht aus der Leitung kommt und das Wort Geschirrspüler ein Fremdwort ist. So wurde mein Darm in den letzten 20 Jahren ordentlich gefordert. Dennoch bin ich in dieser Zeit fast immer ohne Reisedurchfall (im Fachchargon Reisediarrhoe) über die Runden gekommen.

ResiedurchfallMontezumas Rache ist vermeidbar

Dass auf Reisen in südliche, heiße Länder mit mangelnder Hygiene der Magen-Darm-Trakt speziell gefordert ist, liegt auf der Hand. Umso mehr lohnt es sich, genau zu überlegen wo und wann man etwas isst und trinkt. Dabei ist es völlig irrelevant, ob Sie im vermeintlich „geschützten Bereich“ eines ägyptischen 4*-Hotels entspannen oder im Dschungel Sumatras zelteln.

Bereiten Sie Ihren Darm auf die Reise vor

Die Studienlage dazu ist zwar mager, meine eigenen Erfahrungen auf Fernreisen haben jedoch gezeigt, dass ein fitter Darm mit einer harmonischen Mikrobiota viel mehr wegstecken kann als ein geschwächter. Wer bereits einmal kurz vor dem Urlaub – aus welchen Gründen auch immer – eine Antibiotika-Kur machen musste, mit der auch die hilfreichen Darmbewohner zunichte gemacht werden, weiß wovon ich spreche.

Meiner persönlichen Meinung nach macht es Sinn, in den 2-3 Wochen vor der Abreise die guten Darmbakterien nach Strich und Faden zu verwöhnen: fleißig Joghurt löffeln, Acidophilusmilch schlürfen oder sogar präventiv ein spezielles Probiotikum aus der Apotheke (inkl. während des Urlaubs) einnehmen. Das alles hilft meiner Erfahrung nach, im Darm eine schützende Bakterientruppe aufzubauen, die ungewohnter Urlaubskost lauernden Angreifern besser Paroli bieten kann.

Nein danke zu fetter Flugzeugkost

Immer wieder erstaunt es uns, mit welchem Übermaß an Fett so manche Airline-Caterer kochen. In dicken Oberssaucen ertränkte Pasta oder gallige Creme-Desserts belasten den Magen-Darm-Trakt bereits vor Urlaubsbeginn unnötig. Eine gute Alternative stellen da die vielen special meals dar, die kostenlos bis einige Tage vor dem Abflug bestellbar und meist viel bekömmlicher sind.

Am Urlaubsort den Magen „ankommen“ lassen

Wer gleich am ersten Tag das Muschelcurry aus der erstbesten Garküche probieren muss, darf sich nicht wundern, wenn er bald darauf vor dem Porzellan-Altar kniet. Gönnen Sie Ihrem Magen zuerst einmal etwas nicht ganz Ungewohntes und „Sicheres“. Bei heißen Suppen mit Gemüse und vielleicht etwas Fleisch kann man nicht viel verkehrt machen.

ReisedurchfallPeel it, cook it or leave it

„Schälen, kochen oder lieber bleiben lassen!“ Jeder hat diesen Spruch bereits gehört und dennoch halten sich viele Reisende nicht daran. Zu verlockend leuchten die Erdbeeren am Frühstücksbuffet, zu verführerisch sieht das medium gebratene Steak aus. Wir sagen: Auch Melonen, Ananas bzw. durchgebratenes Fleisch oder Fisch schmecken ganz köstlich.

ReisedurchfallDort lauern die Gefahren im all-inclusive-Urlaub

Apropos Buffet: Gerade im all-you-can-eat-Hotel warten kühlpflichtige Produkte oft sehr lange ungekühlt auf hungrige Gäste. Am warmen Buffet ist die Heißhaltetemperatur nicht immer gewährleistet. Da macht es Sinn, eher bei den ersten und nicht erst bei den letzten Gästen zu sein. Werfen Sie gleich am Ankunftstag einen kritischen Blick in die Küche und beobachten Sie das Personal beim Reinigen der Tische. Wie hygienisch wird hier gearbeitet? Wie sauber sind Tische und Essbesteck? Sollten Sie Zweifel haben, erkunden Sie besser die kulinarische Vielfalt außerhalb der Hotelmauern. Da gibt’s wahrscheinlich ohnehin Authentischeres zu entdecken.

Achtung Eiswürfel

Ein erfrischender Fruchtshake aus Papaya, Mango oder Ananas ist in heißen Ländern etwas Herrliches und gehört zu meinen Lieblingsgetränken. Wenn man mir aber nicht glaubhaft versichern kann, dass die verwendeten Eiswürfel aus Flaschenwasser gemacht wurden, bestelle ich meine Drinks immer ohne Eis.

Isotonischer Durstlöscher vom Baum

Mein absoluter Lieblingsdrink in Südostasien ist und bleibt immer noch die pure young coconut. Wussten Sie, dass das Fruchtwasser der frisch aufgeschlagenen Früchte steril ist und ein ideales isotonisches Getränk darstellt? Darüber hinaus schmeckt es direkt vom Baum einfach so herrlich erfrischend – da kann kein Bier und keine Limonade mithalten 😉

Reisedurchfall9Gönnen Sie Ihrem Gaumen langsam etwas Neues

Hat sich Ihr Darm nach ein paar Tagen akklimatisiert, dürfen Sie sich ruhig auch an die lokalen Köstlichkeiten heranwagen. Nicht alles, was in Garküchen angeboten wird, ist grundsätzlich böse. Besonders in Thailand und Vietnam habe ich die Erfahrung gemacht, dass man dem Bauch sehr wohl einen der vielen herrlichen Snacks zumuten darf.

So bleibt der Besuch der Garküche ohne unangenehme Folgen:

Wird die Garküche von vielen Gästen besucht? Das ist ein gutes Zeichen für Frische und Qualität. Je mehr Gäste, desto kürzer lagert dort Gemüse, Fleisch & Co.

Worauf oder worin wird das Essen serviert? Wird das Geschirr nur behelfsmäßig in einem Trog mit einer undefinierbaren Brühe gewaschen – Hände weg! Oft bekommt man sein Essen ohnehin im Einweg-Plastikbeutel, Bananenblatt oder Styropor-Box. Zugegeben, nicht immer so toll für die Umwelt, aber hygienisch bedenkenlos.

ReisedurchfallWie werden die Gerichte gegart? Je heißer, desto besser! Gekochte Suppen oder Currys bergen weniger Gefahr als rohe Salate oder Gerichte mit kalten Beilagen. Die Speisen sollten auch erst vor Ihren Augen frisch zubereitet werden. Liegen sie bereits vorgegart in einer ungekühlten Vitrine, lassen Sie lieber die Finger davon. Deshalb musste ich bislang schweren Herzens auf Eisenbahnfahrten immer den kulinarischen Verlockungen der fliegenden Verkäuferinnen widerstehen. Zu unsicher war mir immer, wann und wie die Spezialitäten zubereitet wurden. Und Reisedurchfall in einem durch ein Entwicklungsland tingelnden Zug zu bekommen, gehört zu den schlimmsten aller Urlaubsvorstellungen.


Schützt Schnaps vor Magen-Darm-Infektionen?

Leider bietet auch dazu die wissenschaftliche Literatur noch zu wenig, um eine seröse Einschätzung abgeben zu können. Viele Reisende schwören darauf, obwohl niemand weiß, ob sie ohne das tägliche Schnapserl nicht auch gesund geblieben wären. Wenn Ihnen der abendliche Verdauungsdrink zum Sonnenuntergang gut tut, können Sie beruhigt dabei bleiben. Unter dem Motto: „Nutzt es nix, schadet es nix.“


7 essenzielle Tipps, wenn Sie Montezumas Rache doch trifft

  1. Sofern Sie den Ablauf der Reise selbst bestimmen können, bleiben Sie im Quartier und gönnen Sie sich einen Erholungstag.
  2. Trinken Sie so viel wie möglich: Tee, stilles Mineralwasser oder klare Suppen. Es bewährt sich, dafür ein paar Suppenwürfel mit im Gepäck zu haben, die notfalls auch selbst im Zimmer mit kochendem Wasser zu Suppe gemacht werden können.
  3. Hände weg von Cola+Soletti. Koffein wirkt zusätzlich entwässernd und die Kohlensäure kann den strapazierten Bauch zusätzlich aufblähen. Aufgrund des hohen Zuckergehalts von Cola wird außerdem Flüssigkeit im Darm gebunden, was den Durchfall noch verstärken kann.
  4. Haben Sie sehr viel Flüssigkeit verloren, lohnt sich das Mischen eines selbst gemachten Elektrolytgetränks – siehe Rezept unten.
  5. Hände weg von durchfallbremsenden Mitteln wie Loperamid (Imodium & Co). Ihr Körper versucht mit Durchfall oder Erbrechen, Krankheitserreger so schnell wie möglich wieder los zu werden. Dies stellt einen natürlichen Schutzmechanismus dar. Verhindert oder verzögert man die Ausscheidung durch Medikamente, dauert die Unpässlichkeit nur unnötig länger. Nehmen Sie daher solche Mittel ausschließlich dann ein, wenn es gar nicht anders geht (Flug-, Bahn-, Busreise). Und sonst gilt: Abwarten (in der Nähe einer Toilette) und Tee trinken.
  6. Essen Sie wenn, dann nur kleine Portionen von bekömmlichen und sicheren Lebensmitteln: Gekochter Reis oder Kartoffeln (ohne Fettbeigabe), Weißbrot, Zwieback, klare Gemüsesuppen, gedämpftes Gemüse oder Ähnliches.
  7. Sollte der Durchfall länger als 3 Tage andauern und/oder Fieber hinzukommen, nehmen Sie am besten ärztliche Hilfe in Anspruch. Ist das nicht möglich, raten Dr. Georg Stühlinger und Dr. Ursula Hollenstein von Traveldoc bei fieberhaften Durchfällen zu einem entsprechenden Antibiotikum, das in keiner Reiseapotheke fehlen sollte. Die beiden haben auch diesen Blogbeitrag redigiert und wir können deren kompetente Reise- und Impfberatung nur wärmsten empfehlen.

Selbst gemischte Elektrolytlösung (adaptiert nach WHO-Rezeptur[1]):

3 Kaffeelöffel Zucker (13,5 g) + 3 Messerspitzen Salz (2,6 g) auf 1 Liter stilles Mineralwasser

Die Trinkmenge sollte etwa 40 ml pro kg Körpergewicht über den Tag verteilt betragen (also 3 Liter bei 75 kg Körpergewicht). Um auch das wichtige Kalium aufzunehmen, isst man am besten dazu eine Banane.

Unser essenzielles Resümee

Lassen Sie sich aus Angst vor Reisedurchfall nicht den Appetit auf lokale Köstlichkeiten verderben. Mit ein wenig Obacht, gut gewappneter Darmflora und gesundem Menschenverstand können Sie die Magen-Darm-Verstimmung in den meisten Fällen vermeiden. Und falls es Sie doch erwischt, werden Sie mit unseren Tipps nach wenigen Tagen wieder fit sein.

Haben Sie einen speziellen Tipp, um sich vor Reisedurchfall zu schützen? Verraten Sie ihn uns!

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