Kann Ernährung vor Krebs schützen?

Von essenzielles

Alle wollen von Krebs verschont bleiben. Und man kann das Risiko durch einen gesunden Lebensstil tatsächlich senken. Eine aktuelle Übersichtsarbeit stellt diese Erkenntnis nun teils in Frage und kommt zu dem Schluss: Der Einfluss wird möglicherweise überbewertet. Ist dem wirklich so? Dazu haben wir den Autor des angesehenen Fachbuches „Krebs und Ernährung“ befragt. Seinen Kommentar lesen Sie ganz am Ende dieses Artikels. Außerdem erfahren Sie in diesem Blogartikel warum es sich dennoch lohnt, zum Schutz vor Krebs und Co bei Gemüse und Co ordentlich zuzugreifen.

Viel Interesse, wenig gesicherte Erkenntnisse

Bösartige Tumore waren nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems im Jahr 2020 die zweithäufigste Todesursache in Österreich. Etwas mehr als jeder 5. Todesfall (22,9 %) gingen auf deren Konto [1].

Todesursachenstatistik

Jede dritte Krebserkrankung könnte laut Krebsreport 2020 der Weltgesundheitsorganisation in den Industrieländern durch einen gesunden Ess- und Bewegungsalltag verhindert werden. Entsprechend viel ist dazu in den vergangenen Jahrzehnten geforscht worden. Es gibt zig Ratgeber, wie man sich ernähren sollte, um das Krebsrisiko gering zu halten.

Die Suchmaschine Google spuckt binnen 60 Sekunden zum Thema „Krebs und Ernährung“ mehr als 14 Millionen Treffer aus. In wissenschaftlichen Datenbanken sind tausende Studien zu finden.

In einem aktuellen „Umbrella-Review“ haben ForscherInnen 860 Metaanalysen unter die Lupe genommen. Also eine wirklich umfassende Arbeit, um den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Lebensmitteln bzw. Nährstoffen und dem Krebsrisiko zu bewerten [2]. Jede einzelne Metaanalyse besteht ihrerseits aus zahlreichen Einzelstudien.


Eine Metaanalyse, auch Systematischer Review genannt, ist eine quantitative Zusammenfassung der Ergebnisse verschiedener Studien mit der gleichen Fragestellung. Die Basis einer Metaanalyse stellt eine systematische Literaturrecherche dar.

Umbrella Reviews, auch „Overview of Reviews“ genannt, tragen die Ergebnisse bestehender Metaanalysen zusammen und stellen diese bereits vorhandenen Ergebnisse einander gegenüber, um einen komprimierten Überblick zu liefern. 


Buch mit Brille und StiftWas ist laut dieser Studie gesichert?

Laut dieser Übersichtsarbeit stehen nur 3 Dinge außer Zweifel:

1. Alkohol erhöht das Risiko für Darm-, Leber-, Speiseröhren- und Brustkrebs

Hierfür werden folgende Mechanismen verantwortlich gemacht: Alkohol…

  • … greift in den Östrogenhaushalt ein –> steigert damit das Risiko für östrogenabhängige Brusttumore
  • …führt zu oxidativem Stress –> Zellen können leichter zu Tumorzellen entarten
  • …stört das Bakteriengleichgewicht im Darm –> gute Darmbakterien, die krebserregende Stoffe unschädlich machen können, fehlen dann
  • …erhöht die Durchlässigkeit der Darmwand –> bakterielle Giftstoffe gelangen eher in den Körper und verursachen vor allem in der Leber Zellschäden
  • …darüber hinaus wirken einige Alkoholabbauprodukte direkt karzinogen

Anders als beim Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall & Co., wo das berühmte Glas Rotwein pro Tag einen gewissen Nutzen zeigt, gilt bei der Prävention von Krebs jede noch so geringe Menge als schädlich. Also am besten null Alkohol! Nada! Niente!

2. Milch- und Vollkornprodukte senken das Darmkrebsrisiko

Hierfür werden folgende Mechanismen verantwortlich gemacht:

  • Kalzium in Milchprodukten bindet im Dickdarm tumorfördernde Stoffe –> diese werden verstärkt ausgeschieden
  • Milchsäurebakterien aus Joghurt, Buttermilch und Co können krebserregende Stoffe deaktivieren und Darmentzündungen reduzieren.
  • Ballaststoffe in Vollkornprodukten verkürzen die Darmtransitzeit –> krebserregende Stoffe kommen nur für kurze Zeit mit den Darmzellen in Kontakt
  • Ballaststoffe werden im Dickdarm von Darmbakterien verstoffwechselt –> hierbei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die das Wachstum von Krebszellen und Entzündungsreaktionen hemmen

3. Kaffee schützt vor Leber- und Hautkrebs

Die positiven Effekte des Kaffees könnten auf die antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften seiner sekundären Pflanzenstoffe zurückzuführen sein. Diese können vor entzündungsbedingten Krankheiten, wie es z. B. auch Krebs ist, schützen.

Kaffeebohnen mit TasseAlles andere nur Schall und Rauch?

Für alle anderen Zusammenhänge (z. B. „rotes Fleisch fördert Darmkrebs“) sind die Studienergebnisse laut dem Review nicht einheitlich. Ganz korrekt kann man hier nur von „möglicher“ oder „wahrscheinlicher“ schützender oder schädlicher Wirkung sprechen.

Das bestätigt sich auch, wenn man die vielen gut recherchierten Artikel zum Thema Krebs und Ernährung von medizintransparent.at liest. Deren Fazit lautet häufig: „Mehr Langzeit-Forschung zu diesem wichtigen Thema ist unbedingt notwendig. Der aktuelle Wissensstand ist keineswegs gut abgesichert, und verlässliche Belege für eine Ursache-Wirkung-Beziehung fehlen. Der möglicherweise zugrunde liegende Mechanismus ist unbekannt.“

Dennoch gilt: Nutzen Sie das volle schützende Potenzial einer pflanzenbetonten Kost

In der Prävention von Krebs spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Dennoch gibt es keine Anti-Krebs-Diät, die einen völligen Schutz garantiert. Will man sein Krebsrisiko mit Messer und Gabel senken, kommt es auf das ‚Gesamtpaket‘ an. Es reicht nicht aus, sich nur auf einzelne Aspekte zu konzentrieren.

Der World Cancer Research Fund empfiehlt in seinem dritten Expertenbericht 2020 eine insgesamt pflanzenbetonte Kost:

  • viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte,
  • reichlich Vollkorn- und Milchprodukte,
  • einen moderaten Fleischkonsum
  • und den Verzicht auf Alkohol [3].

Bitte lassen Sie sich von einem möglicherweise nicht davon abhalten, Ihren Fleischkonsum auf 2-3x pro Woche einzuschränken oder Ihren Gemüsekonsum zu erhöhen.

Im „Studiendeutsch“ heißt es derzeit: „Übergewicht fördert möglicherweise das Risiko für einige Krebsarten“. Wenn die Möglichkeit besteht, dass es so ist, warum sollten Sie dann nicht versuchen, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen? Es gibt außerdem noch mindestens 10 weitere gute Gründe für ein gesundes Gewicht. Falls Sie endlich etwas in diese Richtung bewegen wollen, sind wir gerne für Sie da. Oder probieren Sie unser Programm Schlank mit Intervall-Essen.

Schlank mit Intervall-Essen

„Rotes Fleisch erhöht möglicherweise das Darmkrebsrisiko“. Warum gehen Sie dieses Risiko ein? Beschränken Sie Ihren Fleischkonsum auf 2-3 x pro Woche, dann essen Sie zusätzlich noch klimafreundlich.

„Ballaststoffe senken möglicherweise das Risiko für Darmkrebs“ – nutzen Sie das, denn darüber freut sich Ihre Verdauung ebenso!


Krebs – keine Schuldfrage

Keine noch so gesunde Lebensweise bietet garantierten Schutz vor Krebs. Jeder kennt nichtrauchende, sportliche Menschen, die alles für ihre Gesundheit tun und dennoch plötzlich an Krebs erkranken. Genauso wird vom 90-jährigen Opa erzählt, der sein Leben lang geraucht und sich nie bewegt hat und trotzdem so alt geworden ist. Ausnahmen von der Regel wird es immer geben. Der Großteil der Tumore wird jedoch von einem ungesunden Lebensstil mit beeinflusst.


geschnittenes Gemüse6 essenzielle Tipps zur Krebsprävention mit Messer und Gabel

Unsere 6 Tipps haben wir in Anlehnung an den Expertenbericht 2020 des World Cancer Research Funds (WCRF) formuliert. Wer sich daran hält kann nicht nur möglicherweise sein Krebsrisiko senken, sondern…

…unterstützt einen normalen Blutdruck,

…hält sein Blutcholesterin in Balance,

…beugt entzündlichen Darm- und Gelenkserkrankungen vor und

…wird sich rundum wohler fühlen.

  1. Halten Sie ein gesundes Körpergewicht. Der von der WHO definierte SOLL-BMI-Bereich für Erwachsene bis 65 Jahre liegt zwischen 18,5 und 24,9. Ab 65 ist ein BMI zwischen 22 und 26,99 ideal für Ihre Gesundheit.
  2. Tanken Sie jeden Tag reichlich Ballaststoffe mit Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten.
  3. Milchprodukte wie Joghurt, Frischkäse oder Buttermilch sollen täglich 3 x ins Glas, ins Schüsserl oder auf den Teller.
  4. Essen Sie maximal 2-3 x pro Woche (rotes) Fleisch oder Wurstwaren.
  5. Steigen Sie bei Speisen und Getränken auf die Zucker- und Fettbremse. Letztlich besteht die Gefahr, dass Sie damit zu viele Kalorien aufnehmen und das wiederum schlägt sich auf Hüften und Bauch.
  6. Verzichten Sie wenn möglich gänzlich auf Alkohol bzw. begrenzen Sie ihn zumindest auf 1-2 Genussgläser pro Tag. Seien Sie an zwei Tagen pro Woche ganz abstinent. Hier muss jeder selbst sein persönliches Risiko abwägen.

Unser essenzielles Gast-Resümee

Karl-Heinz WagnerFür unser Resümee haben wir uns diesmal kompetente Unterstützung seitens unseres lieben Kollegen Univ. Prof. Dr. Karl-Heinz Wagner geholt. Er ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) und einer der beiden Autoren des Buches „Krebs und Ernährung“. Er meint zu diesem Thema:

Viele Empfehlungen zur kulinarischen Krebsvermeidung sind nur vage formuliert. Aber so ist Wissenschaft – nicht schwarz oder weiß, sondern knallgrau 🙂

Dennoch: Es ist sinnvoll, im Sinne der Tumorprävention pflanzenbetont zu essen, Übergewicht zu vermeiden und sich viel zu bewegen, wie das der World Cancer Research Fund empfiehlt.

Außerdem beugt ein solcher Lebensstil effektiv anderen Erkrankungen wie Typ 2-Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Gelenkserkrankungen und dem metabolischen Syndrom vor.

Ergebnisse von Umbrella-Reviews sind aufgrund der hohen Fallzahlen natürlich interessant. Sie sind aber mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Denn die Ergebnisse sind stark davon abhängig, welche Ein- und Ausschlusskriterien von den Autor*innen definiert werden. Zudem beruhen die Daten in der Regel auf Beobachtungsstudien, aus denen bekanntlich keine ursächlichen Zusammenhänge („Kausalität“) abgeleitet werden können.

Im Gegensatz dazu fußen die Empfehlungen des WCRF zusätzlich auf randomisierten und kontrollierten Studien, die eine höhere Gewissheit als nur Beobachtungsstudien liefern. Die essenziellen Tipps zur Krebsprävention mit Messer und Gabel unterstütze ich zu 100 Prozent.

Nicht die Menge einzelner Nährstoffe sagen etwas über den präventiven Wert der Ernährung aus, sondern wie vielfältig, ausgewogen und bunt der Essalltag insgesamt über Jahre hinweg ist.

Man kann durch einen gesunden Lebensstil sicher nicht jede Erkrankung verhindern, jedoch das persönliche Erkrankungsrisiko verringern.

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